Strategy & Corporate Performance

Regional vs. Global Sourcing: Welche ist die Logistik der Zukunft?

Ein Ausblick mit Dr. Stefan Frings

Interview von Despina Borelidis

3. Februar 2022

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Guss aus China, Montage in Osteuropa: Im Zuge der Globalisierung strebte die deutsche Wirtschaft lange Zeit nach internationalen Geschäftsbeziehungen. Es galt Faktorkosten-Unterschiede auszunutzen. Local Sourcing mutete dagegen eher rückläufig an. Gar als spießig oder “Old School”. 

Bis die Pandemie und Lockdowns Lieferketten kappten, ein Hurricane in Texas tobte und ein Frachter im Suezkanal stecken blieb. Da wurde umso mehr klar, wie anfällig – und auch abhängig – Deutschlands Industrie von gewissen Grundstoffen ist.

Mehr noch: Die ESG-Auflagen und Klimaziele zwingen die Wirtschaft aktuell mehr denn je zum Überdenken ihrer Lieferketten. Lange Transportwege und internationale Geschäftsbeziehungen mit “Best Cost Countries” werden zunehmend hinterfragt. 

Wie wird die Logistik der Zukunft aussehen – aussehen müssen? Wie kann die deutsche Wirtschaft Rohstoffknappheit und fragile Lieferketten umgehen? Wo steckt das Innovationspotenzial der Zukunft? Und: Wird Kirchturm-Sourcing wieder zum Trend?

Ein Ausblick mit Dr. Stefan Frings, Partner bei enomyc.

Dr. Frings, wie abhängig ist Deutschland von Rohstoffen aus dem Ausland? Deutschland war schon immer ein rohstoffarmes Land und ist auf den Import aus anderen Ländern angewiesen. Die Frage, die sich aktuell stellt, ist: Welche – bislang aus dem Ausland bezogenen oder ins Ausland verlagerte – Güter können im Inland produziert werden? Ein Beispiel: Traditionell wurden Chips auch in Deutschland bzw. Westeuropa hergestellt. Ich denke an Siemens-Halbleiter, später Infineon. Sie hatten große Werke in Deutschland und bauten Ende der 1990er eines der modernsten Halbleiter-Werke der Welt in England auf. Dieses wurde aber direkt vor der Inbetriebnahme wieder geschlossen. Es gab also bereits enormes Potenzial zur inländischen oder europäischen Produktion von Chips in der EU.